Turbokapitalistische Argumente für Frauenförderung

In meiner Industrie ist es um die Geschlechterparität sehr bescheiden gestellt. Laut einer Studie von Citywire (LINK) liegt der Frauenanteil im deutschen Fondsmanagement zuletzt bei 6%. Wer noch geringere Quoten sucht, findet diese vermutlich bei Dachdeckern und Straßenbauern (LINK).

Mich persönlich stört Ungleichbehandlung, egal ob Tier oder Mensch, ganz grundsätzlich – so bin ich eben gepolt. Für alle, die keine Zeit für „Gutmenschenquatsch“ aufbringen können, habe ich zwei eiskalte, kapitalistische Argumente für Frauenförderung:

 

Wettbewerbsfähigkeit

Die Gesetzmäßigkeiten des Wettbewerbs ändern sich rapide. Eingefahrene Marktpositionen und ökonomische Burggräben werden immer öfter ausgehebelt. Die Disruptionsfrequenz nimmt zu. Der Wettbewerbsschutz durch Patente oder Zugriff auf bestimmte physische Ressourcen reicht nicht mehr aus. Langfristig gewinnt, wer die besten Mitarbeiter:innen an sich binden kann und diesen ein agiles Arbeitsumfeld bieten kann. Investmentbanken sind gerade in einer Hochphase des „War for Talents“. Im Mittelpunkt steht die stumpfe Methode sich gegenseitig mit höheren Fixgehältern zu überbieten. Das unterliegt einem abnehmenden Grenznutzen. Der einfachste Weg den Recruiting-Funnel zu erhöhen ist, einen großen Fokus auf Bewerberinnen und Mitarbeiterinnen zu legen. Wer es schafft den Stein ins Rollen zu bringen, wird sich über einen Schneeballeffekt freuen können. Eine größere weibliche Belegschaft, insbesondere in Führungspositionen, signalisiert nämlich viele nicht-monetäre Vorteile wie flexible Arbeitsmodelle und menschlichere Arbeitsbedingungen. Das wiederum dürfte weitere weibliche Bewerber anziehen. Darüber hinaus wird es die männlichen Bewerberzahlen sicherlich auch nicht negativ beeinflussen, wenn ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis innerhalb eines Unternehmens herrscht. Arbeitet „Chad“ lieber bei einer Investmentbank mit 10% oder 30% Frauenquote?

 

Investmentalpha

Im Bereich des aktiven Fondsmanagements wird gerne darauf verwiesen, dass man unter allen Investitionsmöglichkeiten natürlich stringent die attraktivsten Risiko-Rendite-Konstellationen auswählt. Trotzdem unterliegt der Research-Fokus erheblichen Interessen-Verzerrungen. Der eine Analyst beschäftigt sich lieber mit Maschinen, und der andere lieber mit Software. Zwischen Analystin und Analyst müssten sich Interessen-Verzerrungen noch stärker abzeichnen. Bei der geringen Frauenquote im Fondsmanagement führt dies dazu, dass unbewusst gewisse Industrien und Geschäftsmodelle systematisch zu wenig Aufmerksamkeit im Research-Prozess erhalten. Die nie dagewesene Kapitalkonzentration innerhalb der Börsen auf wenige große Unternehmen, dürfte neben dem Einfluss von ETFs auch damit zusammenhängen. Wer diese Konzentration als Risiko sieht, sollte daran arbeiten die Frauenquote im Portfoliomanagement zu erhöhen. Außerdem ist davon auszugehen, dass immer mehr Finanzmarktteilnehmer sich das Thema Frauenförderung auf die Fahne schreiben werden. Wer jetzt schnell handelt, kann also neben dem Risikomanagement auch noch etwas für sein Alpha tun, in dem man sich die weibliche Perspektive so früh wie möglich ins Boot holt.

 

Wer sich für ein paar spannende Datenpunkte zu diesen Thesen interessiert, kann in eine Studie des RKW Kompetenzzentrums aus Eschborn reinschauen (LINK). Eigentümergeführte Unternehmen haben signifikant höhere Frauenquoten auf der ersten und zweiten Führungsebene. Die denken wohl langfristig…

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